Wie ich zum Tragen kam

Zum Tragen kam ich recht unbefangen. Wie so oft im Leben lernen wir oft nebenbei und am leichtesten am Vorbild.

Einige Jahre bevor ich selbst Mutter wurde, erlebte ich bei einer Freundin wie sie ihr Kind trug. Meiner Erinnerung nach war dies inhaltlich nie ein Thema zwischen uns und ich habe ihr Kind nie getragen.

Als sechs Jahre später die Geburt meines Babys bevor stand, hatte ich keinen Kinderwagen gekauft, sondern stattdessen ein viel zu langes, viel zu buntes Tragetuch. Mit dem Tuch kam ich nicht sonderlich gut klar, aber ich war aus irgendwelchen Gründen davon überzeugt, dass eine Tragehilfe reichen würde um das Kind zu transportieren.

Und tatsächlich funktionierte dies, das Tragetuch warf ich beim ersten Kind so früh es ging in die Ecke, beim Tragen blieb ich dennoch.

Bei meinem zweiten Kind entdeckte ich schließlich das Tragetuch für mich, in der richtigen Farbe, der richtigen Länge und einer ordentlichen Portion Motivation war das Binden eines Tuches irgendwann selbstverständlich.

3 Monate, schlafend aus dem Auto auf den Rücken

So kam es, dass meine zwei Kinder ohne Kinderwagen oder Buggy groß wurden. Als Babys wurden sie unterwegs immer getragen.
Als die Traglinge zu kleinen Lauflingen wurden, war das Tempo zwar gering, aber wir kamen voran. Sobald die Kinder müde wurden oder die Situation es erforderte (Straßenverkehr, Termine) kamen die Kinder wieder auf den Rücken. Dieser Ort war ihnen vertraut und sie fühlten sich dort wohl. Sie waren dabei und fühlten sich geborgen, ganz egal was ich dabei tat (Rasenmähen, Löcher bohren, Umzugskisten packen, Einkaufen).
Die Tragehäufigkeit und die Tragedauer reduzierte sich merkbar sobald meine Kinder mit dem Laufen begonnen hatten. Mit ca. zweieinhalb Jahren liefen die Kinder so viel,  dass das Getragenwerden zu einer seltenen Ausnahme wurde.

3,5 Jahre, nach Monaten wieder mal getragen